Fraser Coast

Crocodile Hunting

Nachdem sich unsere finanziellen Ressourcen quietschend dem Ende näherten und unsere letzten Kröten für Benzin, Futter und sporadische Kaffees oder Eiscreme-Portionen drauf gingen, wir unsere Tage entweder fahrend, in unterschiedlichsten Bibliotheken entlang der Küste Bewerbungen schreibend oder die Umgebung erkundend verbrachten, meinte es das Glück neuerdings wieder einmal gut mit uns: ein Jobangebot auf der Wallaby Hill Farm, einer Pferdefarm, die sich auf Cross Country spezialisiert hatte und Unterkunft, Bezahlung und eine freundliche Arbeitsumgebung versprach. Einziger Haken: sie befand sich anderthalb Stunden unterhalb von Sydney im Hinterland von Wollongong. An sich kein Problem, außer man steckt wie wir noch wo ganz anders in einem völlig anderen Staat fest, gute 22 Fahrtstunden oder etwas mehr als 2000km entfernt. Mit Alex, unser zukünftigen Chefin konnten wir jedoch einen Arbeitsbeginn eine Woche später arrangieren, was von bedeutsamer Hilfe für uns war, da wir nun die Küste halbwegs entspannt in Etappen zurücklegen durften…

Nachdem sich unsere finanziellen Ressourcen quietschend dem Ende näherten und unsere letzten Kröten für Benzin, Futter und sporadische Kaffees oder Eiscreme-Portionen drauf gingen, wir unsere Tage entweder fahrend, in unterschiedlichsten Bibliotheken entlang der Küste Bewerbungen schreibend oder die Umgebung erkundend verbrachten, meinte es das Glück neuerdings wieder einmal gut mit uns: ein Jobangebot auf der Wallaby Hill Farm, einer Pferdefarm, die sich auf Cross Country spezialisiert hatte und Unterkunft, Bezahlung und eine freundliche Arbeitsumgebung versprach. Einziger Haken: sie befand sich anderthalb Stunden unterhalb von Sydney im Hinterland von Wollongong. An sich kein Problem, außer man steckt wie wir noch wo ganz anders in einem völlig anderen Staat fest, gute 22 Fahrtstunden oder etwas mehr als 2000km entfernt. Mit Alex, unser zukünftigen Chefin konnten wir jedoch einen Arbeitsbeginn eine Woche später arrangieren, was von bedeutsamer Hilfe für uns war, da wir nun die Küste halbwegs entspannt in Etappen zurücklegen durften…

Aber nun zurück dorthin, wo der Reiseabschnitt beginnt: Bowen, Queensland, an einem der vielen Strände, die die Küste säumen und an denen hier und da ein Rettungsschwimmer seine Stunden im Schatten absitzt und darauf wartet, einem hilflosen Schwimmer das Leben zu retten. Soweit, wenn nicht einer dieser Fälle eintritt, scheint das Leben der Rettungsschwimmer ein ganz ungemein famoses, ereignisloses und geruhsames zu sein. Rot-gelbe Fahnen in den Sand stecken, Sonnenschutz aufbauen, Informationsschild beschriften (“Beware of marine stingers, sharks, sea snakes, crocodiles (oder was auch immer Gang und Gäbe in australischen Gewässern kreucht und fleucht) — watch out for the shore dump, dangerous rips and don’t get completely cooked by the freakin’ hot sun! Ah, and not to forget: Have a fabulous day!”) Die Australier müssen glaube ich angesichts der akuten Gefahren eine gewisse “Sorge-dich-nicht-LEBE-Mentalität entwickeln, damit sie überhaupt durch den Alltag finden.

Unser nächster größerer Stopp war Rockhampton, wo wir einen ausgedehnten Abend verbrachten und mit Gitarre bepackt durch die abendlichen Straßen schlenderten und prompt von drei ziemlich betüdelten Damen um ein Konzert gebeten wurden (welches wir ihnen natürlich nicht verwehrten). Der Sonnenuntergang fand an diesem Tag hinter einem Berg an dichten, dicken, bauchigen Wolken statt, die hin und wieder ein paar orange-rosa Sonnenstrahlen durch die Himmelsdecke blicken ließen.. Äußerst romantisch.

Und weiter ging’s auf unserem Weg gen Süden. Stets mit unserer präferierten Reiselektüre “Down Under” von Bill Bryson bepackt, die wir uns gegenseitig vorließen und die uns mehr als einmal mit Freudentränen beglückte. Auch ich hatte unseren “Rolfi”, wie wir unseren Van schlussendlich tauften (in nostalgischer Andacht an den ersten sehr geliebten Hundewelpen, den ich als Kind in unserer WG benennen durfte), mittlerweile zu beherrschen gelernt. Die langen, endlos wirkenden, schnurgeraden Straßen Australiens eignen sich dafür nun auch wirklich hervorragend. Nicht ohne Stolz manövriere ich nun auch ein mechanisches Vehikel auf der linken Straßenseite durch den Verkehr (nicht nur den auf den langen Landstraßen oder Autobahnen, sondern sogar durch Städte. Jaha.).
Eine weitere leicht beunruhigende Gefahr, die einen in Queensland erwartet, sind die täglich ausbrechenden Buschfeuer, die tagsüber, aber besonders nachts, in der Ferne (wenn man Glück hat) sichtbar sind. Alle paar Kilometer befinden sich Schilder am Wegesrand, die die derzeitige Feuergefahr anzeigen. Und für all die, die gerne “Wo ist Walter?” gespielt haben: auf einem der Fotos sind in der Ferne Rauchwolken zu erkennen.

Nächstes Ziel: Rockhampton. Etwas enttäuscht war ich ja schon, einen der bekanntesten Predatoren Queenslands nicht ein einziges Mal zu Gesicht bekommen zu haben, obwohl man ständig (und damit meine ich ständig!) auf dessen hypothetische Gegenwärtigkeit hingewiesen wird: das Salzwasserkrokodil. An jeder Flussmündung, an jedem Strand, an jedem Teich oder See prangt üblicherweise ein knallgelbes Schild mit einem abstrahierten Krokodil-Icon, und der Inschrift: “Attention! Crocodiles!” An jedem (!) Gewässer, das wir in Queensland passiert haben, habe ich Ausschau gehalten, das Ufer nach potentiell krokodilförmigen Extremitäten abgescannt, Einwohner nach grausamen Bekanntschaften mit den Riesenechsen interviewt und über die grundlegenden Eigenschaften und Angewohnheiten der Tiere nachgeforscht — und noch immer blieben meine tiefsten Hoffnungen ungehört: kein verdammtes Krokodil weit und breit. Während meiner Reise in Queensland hatte sich der Wunsch fast in eine Obsession verwandelt und ich wusste: Ich konnte unmöglich aus diesem Staat abreisen, ohne eines der Tiere mit meinen eigenen Augen gesehen zu haben. Und so überredete ich Martino, mit mir in den kostenlosen Rockhampton Zoo zu spazieren, auch wenn ich diesen Institutionen grundlegend sehr skeptisch gegenüber stehe und mich auch nicht alle Gehege und Tierbegegnungen dort sehr glücklich gestimmt haben (…). Nun denn. Unser Besuch begann mit einer Vitrine eingelegter Spinnen, die uns einen ausreichenden Überblick über die australische Vielfalt an Achtbeinern gab und mir einen kleinen, kalten Schauder über den Rücken liefen ließ. Viel mehr jedoch gruselte mich (und darum ging es ja bei der ganzen Geschichte) das Skelett des salties, welches im selben Raum ausgestellt wurde. Ob die Zähne von opportunistischen Besuchern als Souvenir gehandelt wurden oder ob es sich tatsächlich um ein alterndes, zahnloses Krokodil handelte, das starb, da es seine Beute nur noch mit einem laschen Kiefer erdrücken konnte, weiß ich leider nicht. Auch ohne Zähne und obwohl das Leben diesem Tier bereits vor langer Zeit die Freundschaft gekündigt hat, flößte mir dieses weisse Knochengerüst anständig (sichtbaren) Respekt ein.
Und nach einem nicht enden wollenden Spaziergang durch die Gänge des Zoos erreichten wir schließlich das Gehege des “Colonels”. Hier war es, das lang ersehnte Krokodil! Und was tat es? Eben das, was Krokodile am besten tun: nichts.

Es dümpelte einfach faul und nichtstuend im Wasser. Aber gut, was hatte ich anderes erwartet? Für mehr Aktion hätte ich mich gleichwohl Bill Brysons Freunden in ein kleines Fischerboot wagen müssen und auf den Daintree River hinausfahren müssen. Und weil mich diese Geschichte so sehr erheitert hat, möchte ich sie hier gerne mit Euch teilen:

Wir fuhren durch Hervey Bay, wo wir das erste Mal in unserer australischen Geschichte um 3 Uhr nachts (nach einem wunderbaren Sonnenuntergang) von lauten Faustschlägen auf die Wagentür durch die Polizei geweckt wurden, die uns mitteilte, dass wir auf diesem Parkplatz derzeit illegal kampieren würden und wir besser daran täten, den Motor anzuwerfen und uns aus dem Staub zu machen. Dort bewunderten wir den hölzernen/metallenen Riesenwal (Hervey Bay ist die Whale Watching Capital Australias, leider waren wir bloß zum unpassendsten Zeitpunkt zugegen) und erquickten uns an zwei gefiederten Besuchern, die sich ihrerseits über unser Nutella-Missgeschick freuten.

Wir fuhren durch Maryborough, wo ich mit Emilia telefonierend in einem interaktiven Militärpark umherwanderte, in dem ich unwillentlich im gesamten Park platziere Bewegungsmelder betätigte und damit Audio-Samples von marschierenden Soldaten auslöste. Der nötige Pathos eben.

Wir fuhren durch Tinbeerwah, wo wir uns in der üblichen Hitze auf einen Lookout hinauf schleppten und die Aussicht auf die Region um Noosa genossen.

Wir fuhren durch Noosa, wo wir ein erfrischendes Bad im Fluss nahmen (ohne Krokodile), einen ganz wunderbaren Sonnenuntergang genossen, mit Gitarre und einem Feierabendbier am Strand und einen gemütlichen Abend mit zwei jungen Herren aus Israel.
Den Folgevormittag verbrachten wir Stand-Up-Paddleboarding im Fluss, Eiskaffee schlürfend und schnorchelnd am überfüllten Strand in Noosa, einem schmucken Touristenörtchen, das am Australia Day vor Besuchern aus den Nähten platzte.

Und zu guter letzt fuhren wir durch Caloundra, wo wir uns mit einer leckeren Lachs-Pasta mit Dill und Sahnesoße beglückten und die Aussicht über ein ebenso volles Städtchen genossen, über das sich langsam die Nacht legte. Nächster Stopp sollte nun Brisbane sein, wo wir einen Abstecher bei David, Gavin und den beiden Mädels machen wollten, Martino sein geliebtes Surfboard verkaufen würde (da er sich zwei Mal in einer Woche seine linke Schulter ausgekugelt hatte — ja, auch das ist möglich) und wir unsere lang ersehnten Rollerblades in die Arme schließen würden. Ahoi, Brisbane!

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Comments (2)

  1. Ja, das mit den Krokodilen ist wohl so, wie mit allen wilden Tieren: du siehst keine aber du wirst gesehen. Das macht die Sache nicht einfacher, schon gar nicht angenehmer. Ich kann nur hoffen, die australischen Krokodile mögen keine deutsche – vegetarische Küche.
    Ich habe Walter übrigens dreimal gefunden – das typisch rot-weiß-gestreifte Shirt, war jetzt wirklich nicht schwierig.

  2. Liebste Insa, jawoll ich HABE den letzten Eintrag gelesen 🙂 Danke für die Prokrastinations-Lektüre, heimlich gelesen am Arbeitsplatz. Hah! Am besten gefällt mir die Geschichte mit den betüdelten Damen (natürlich) und die “Sorge-dich-nicht-LEBE-Mentalität”. Sollte man sich selbst auch mehr aneignen 🙂