Robertson

Captain Hook

Seit ungefähr zwei Wochen lebe ich mit Captain Hook.

Vor ungefähr zwei Wochen entschieden Martino und ich uns nach Feierabend noch für 1-2 Stünchen in die Werkstatt zu gehen, um an unserem Van zu arbeiten. Nach 1-2 Stündchen waren wir aber nicht wie geplant in der Küche, um zu Abend zu essen, sondern im örtlichen Krankenhaus.

Aus unerfindlichen Gründen aber womöglich nicht ohne die Schuld der sich breit machenden Müdigkeit wollte Martino etwas an der Bandschleifmaschine prüfen, steckte dabei Teile seiner Hand zwischen Schleifband und Maschine und betätigte gleichzeitig und ungewollt den Startknopf am Griff.

Blut, Schmerz und Panik.

Ich funktioniere nicht grandios in Notsituationen, wie ich habe lernen dürfen. Dazu beigetragen hat zudem eine akute Handyunauffindbarkeit (sonst weiß ich immer wo dieses elendige Telefon steckt!) und die Absenz ungefähr aller Mitarbeiter und Mitbewohner der Farm. Schließlich fand sich aber auch das Telefon, wir riefen Sophie an, die 5 Minuten später vor der Tür stand und uns ins gute 30 Minuten entfernte Hospital fuhr.

Dort wurde der Mann verarztet und mit Schmerzmitteln beglückt. Der Finger sah wenig gut aus um nicht zu sagen sehr unappetitlich. Er hatte es geschafft, sich den oberen, äußeren Teil der Fingerkuppe abzureiben bis zum Knochen. Noch immer jagen mir diese Worte einen Schauer über den Rücken. Jedenfalls blieb er über Nacht dort und wurde am Abend des Folgetages operiert. Glücklicherweise konnte sein kleiner Finger gerettet werden und er durfte mit einem dicken Verband um die Hand wieder nach Hause.

Und als ob das nicht genug der Anspannung gewesen wäre. Wir durften nämlich parallel erfahren, dass vor guten 2 Wochen die Medicare-Krankenversicherung für Martino still und heimlich ausgelaufen war. Somit wurde das ganze Unterfangen nicht nur ein nervlich strapazierendes, sondern auch ein finanziell aufwändiges. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf gute $3,800. Anderhalb Monate Arbeit hier auf der Farm. Richtig, richtig ärgerlich… On the upbeat: Wir haben einen Job, ein Zuhause, und glücklicherweise nennt sich dieses Land Australien und nicht Amerika. Dort wären wir nämlich gleich mal bei einem fünfstelligen Betrag gewesen…

Nun, ich erspare Euch Detailbilder des Fingers in all seinen Entwicklungsstadien. Für die besonders Blutrünstigen gibt es Zugang auf Anfrage. Soweit verläuft der Heilungsprozess großartig und seit einigen Tagen wechsle ich sogar mutig den Verband. In zwei Wochen darf der Herr nochmal zum Arzt, da dann der dicke Draht, der momentan im Finger steckt, entnommen werden muss. Der ist am Ende schön rund gebogen, sodass der Finger aussieht wie eine kleine Version von Captain Hooks Arm aus Peter Pan. Wie romantisch.

Wir unternehmen inzwischen kleine Ausflüge, wie hier an den Aussichtspunkt am Rande der Farm. Ich arbeite, Martino mittlerweile auch — eben mit einer Hand. Aber was muss, das muss.

Weiters gönnten wir uns ein ausgiebiges Wochenende am Meer. Wie schön es ist.

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Comments (2)

  1. Ach du guter Gott, das ist ja ein Pech. Ich kann mir deine Panik in dem Moment vorstellen Insa…:D. Freut mich, dass die OP gut verlaufen ist und der Finger ist sicher bald wieder heile. Ich wünsche euch beiden weiterhin eine tolle Zeit. Hier auf der anderen Seite der Kugel freuen sich ganz viele liebe Menschen auf euch. Kuss, Doro