Arcadia

Pick’n’Pack

Und zack — so geht’s von einem Job zum nächsten! Am Sonntag ging’s in die Randgebiete des nördlichen Sydneys, wo wir am Abend bei Bud und Anuschka eintrafen, um in den letzten Zügen der Auberginen- und Tomatenernte unter die Arme zu greifen. Zwar ist es bereits Mitte Mai und damit eigentlich schon fast Winter hier in Australien — aber dennoch reifen die Früchte in der wärmenden Sonne wunderbar vor sich hin und müssen geerntet werden.

Am ersten Tag pflückten wir in einer Vormittags-Aktion rund 40 Schachteln Auberginen.

Am zweiten ging es dann an die deutlich mühsamere Tomatenernte, die unter strengem Tempo volle 7h dauerte. Rund 70 Eimer voller Tomaten. Am Abend fielen wir bereits recht früh in unsere Betten, mit schmerzendem Rücken und wunden Händen.

Nun, auch hier können wir uns glücklich schätzen über eine weitere Erfahrung, die dem ECHTEN australischen Backpacker-Leben wohl um Welten näher kommt, als unsere stets fantastischen Arbeitsbedingungen bisher.. Die meisten Jung-Reisenden dürfen sich mit Ernte-Jobs über Wasser halten, die es in Australien zuhauf gibt. Die nationale Agrarwirtschaft ist abhängig von den Reisenden, da diese eine grandiose Quelle gering bezahlbarer Arbeitskraft ist, ohne die die Tiefpreise für Gemüse und Früchte überhaupt nicht möglich wären. Zumeist werden diese Jobs nicht nach Stunde bezahlt, sondern nach Erntemenge. Und je nachdem, was Du erntest, darfst Du schwere Körbe schleppen oder Dich einen vollen Tag auf Knien über den Erdboden robben um Ingwer oder Kohl zu sammeln. Oder Du wirst sogar dazu gezwungen während Deiner Anstellung in einem Partner-Hostel zu residieren, das Dir für $300/Woche (!) ein fensterloses 6er-Zimmer bietet ohne Verpflegung und Klimaanlage, und Dir noch nicht einmal tägliche Arbeit auf dem benachbarten Feld garantiert, sondern Dich mit unglaubwürdigen Entschuldigungen abserviert, wenn Du bereit für die nächste Arbeitseinheit bist…

So etwas haben wir hier glücklicherweise nicht erlebt. Und dennoch ist und bleibt es befremdlich für mich, wie man sich als Landwirt ein solches Arbeitsumfeld schaffen kann und möchte. So unpersönlich und schnell und wertlos. Und ohne übergreifendes Ziel und Vision. Ohne Bedeutung.

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