Northern Beaches

Geh nicht fort, du lieber Sommer

Nachdem auch die Erntezeit ihr Ende gefunden hatte, verließen wir das Land endgültig und wagten uns zurück nach Sydney, die erste Hafenstadt Australiens. Wohlweislich hatten wir unser Auto außerhalb auf einem Parkplatz stehen gelassen und fuhren mit den ÖV ins Zentrum, wie auch diese Herrschaften diverser Generationen und Kulturen hier:

Unser Ausflug brachte uns ins Museum of Australia, welches sich leider als kleine Enttäuschung herausstellte. Einzig interessante Darbietung waren die Fotografien des frühen Taxidermisten des Museums, der damals neuartige, atemberaubende Funde für die Augen der neugierige Welt fotografierte. So entstanden eine Handvoll wunderbar ästhetischer Bilder, von denen ich einige gern mit Euch teilen will:

In den folgenden Tagen trugen uns die Winde nordwärts mit voller Hoffnung auf eine wärmere Brise. Entlang der Northern Beaches, wie das Gebiet nördlich von Sydney genannt wird, gestaltet sich das Leben als Reisender nicht ganz einfach. Ein Großteil der Parkplätze in den Stadtzentren und entlang der Küste ist zeitlich stark begrenzt oder verlangt unerhört hohe Gebühren — beginnend bei $8 die Stunde. Merke: um ein verdammtes Auto zu parken. Wenn man dazu nicht bereit ist, muss man entweder mit übergroßer Adrenalinsucht oder Risikofreude ausgestattet sein und hoffen, einer Strafe zu entgehen oder seine Zeit damit zubringen, nach einem kostenlosen Asphalt-Rechteck zu suchen, auf das man seinen Wagen zeitweise stellen kann… Ein Hoch auf Australien.

So verschlug es uns nach Mona Vale, einem kleinen, feinen Örtchen direkt an der Küstenstraße.

Ein Platz voller wagemutiger Surfer, schmucker Cafés, goldgelber Sandstrände und dem abenteuerlich kalten aber höchst notwendigen Rockpool. Wo sonst erfrischt sich der Reisende, wenn nicht direkt in diesen wunderbar rustikalen Felsbecken, die nach der Ebbe gänzlich mit frischen Meerwasser überflutet werden?!

Auch in Avalon verbrachten wir 2 Tage — einfach weil es so schön war. Diese Zeit am Meer, die einfach nur dazu da ist, auf’s Meer hinaus zu schauen, sich in seinen Gedanken zu verlieren, und an die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu denken.

Whale Beach hielt schließlich etwas mehr Spannung für uns bereit. Wale haben wir leider nicht gesehen — das will ich gleich vorwegnehmen. Aber auch die unsere Spezies traf man nicht im Überfluss an, was uns gefiel.

Einige Stunden des sonnig-windigen Tages verbrachten wir in der Brandung, kletterten auf den Felsen umher und spielten mit den Wellen. Und sie mit uns.

Gegen Abend kamen die Wellenreiter schließlich aus ihren Behausungen und stürzten sich in ihr Element.

Das Tagesende genossen wir bei einem (fast zu) idyllischen Sonnenuntergang hinter den Bergen an einem kleinen Strand unweit unseres Nacht-Lageplatzes und beschäftigten uns mit der Frage, warum so viele Menschen ein Boot besitzen, und wir nicht.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, neben einem kleinen Park an der Küste, und aus unserem Schlafsaal hüpften, um uns am Wasser aufzufrischen, wurden wir prompt von einer Dame angesprochen, die uns (ohne dass wir danach gefragt hätten) zum Frühstück einlud. Und so lernten wir Lyn und Steven kennen. Althippies mit einer ganz wahrhaftigen Ausgeglichenheit und Ruhe, die vom Alter und einem guten, vollen Leben kommt, echtem Interesse (so einfach findet sich diese Charaktereigenschaft nämlich nicht) und fantastischem Humor. Und so wärmten uns der liebevoll zubereitete Porridge mit Beeren und Unmengen an Kaffee den gesamten Vormittag, während wir gemeinsam in ihrem kleinen Häuschen in Newport saßen und Geschichten erzählten während im Nebenzimmer leise die Waschmaschine vor sich hin wirbelte…

Am Abend standen wir schließlich erneut vor der Haustür der Collins, bepackt mit allen notwendigen Zutaten für ein Abendessen. Kurzerhand wurden die Untermieter, Pedro aus Chicago und Claire aus Tasmanien, hinzu geladen und bei ausreichend Wein, später Whisky, vergingen die Stunden. Molly, der Wirbelwind auf vier Beinen, wuselte dabei stets um unsere Beine und wollte dringend Teil des Geschehens sein. Später verlagerten wir unsere Gesellschaft hinunter in den Garten um ein abendliches Feuer. Eingelegte Kirschen mit Vanille-Eis und Apple-Crumble. Kaffee-Likör. Und mit wärmenden Flammen vor’m Gesicht und Anekdoten in den Ohren ging der Abend irgendwann zu Ende…

These are the moments that you think back to even years later. We feel blessed you invited us to your home Lyn and Steven, shared your food and stories with us and made us understand that sometimes the universe brings together people for a reason. Thank you.

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